Baumpflege erklärt
Auch: Kronenrückschnitt, Einkürzen
Es gibt Gründe, eine Krone zu verkleinern. Ein Riss in einem Starkast. Fäule an einer Astgabel. Ein Ast, der ins Dach oder in eine Leitung wächst.
Der Unterschied zur Kappung liegt nicht in der Absicht. Er liegt darin, wo die Säge ansetzt.

Der Anlass ist die Verkehrssicherheit oder ein räumlicher Zwang. Ein Riss in einem Starkast. Fäule an einer Astgabel. Ein überlanger Ast über einem Ziel, das man nicht wegräumen kann. Ein Ast, der ins Dach oder in eine Leitung wächst.
Kein Anlass ist, dass ein Baum groß geworden ist. Ein gesunder Baum ist seinem eigenen Gewicht gewachsen. Er legt Holz genau dort zu, wo er belastet wird. Ein Leben lang. Wer eine gesunde Krone kürzt, damit sie kleiner ist, nimmt ihm Blattmasse und bekommt Notaustriebe zurück. Das ist der Weg in die Kappung, nur langsamer.
Ein gesunder Baum wird nicht eingekürzt.
Jeder Ast, der kürzer werden soll, wird einzeln zurückgenommen. Bis zu einem Seitenast, der stark genug ist, die Spitze zu übernehmen. So behält der Baum an jeder Stelle eine lebende Spitze, an der der Saftstrom weiterläuft. Es bleibt kein toter Stumpf stehen und die Wunde ist nur so groß wie der weggenommene Ast.
Das dauert. Eine Krone auf einer Höhe abzusägen ist die Arbeit eines Vormittags. Dieselbe Krone Ast für Ast einzukürzen dauert ein Vielfaches. Darin liegt der Preisunterschied, den viele für Willkür halten.
Nicht jeder Baum lässt sich sinnvoll einkürzen. Wie viel möglich ist, hängt davon ab, ob die Krone geeignete Seitenäste in der passenden Höhe hat. Bei manchen Arten und Kronenformen findet man sie gut, bei anderen kaum.
Wenn ein Baum so weit zurück müsste, dass keine Ableitung mehr übrig bleibt, ist Einkürzen nicht mehr die Antwort. Dann steht die Frage im Raum, ob der Baum an dieser Stelle noch richtig steht. Eine unangenehme Frage, aber eine ehrlichere als eine Kappung mit Ansage.
Auch ein sauber eingekürzter Baum reagiert. Er treibt an den Schnittstellen stärker aus als vorher. Das ist etwas anderes als die Notaustriebe nach einer Kappung, aber es bedeutet dasselbe für dich: der Baum bleibt in Beobachtung. Nach einigen Jahren steht in der Regel ein Nachschnitt an.
Dafür gibt es eine eigene Bezeichnung. Gemeint ist ein schwer geschädigter Baum, dessen Stand- oder Bruchsicherheit anders nicht mehr zu halten ist. Dann wird deutlich stärker eingekürzt, bis hin zur ganzen Krone.
Der Baum bleibt trotzdem stehen, häufig aus Gründen des Artenschutzes. Er sieht danach eher aus wie ein Baum in seiner natürlichen Zerfallsphase. Das ist keine übliche Maßnahme. Das ist eine Ausnahme. Und sie steht am Ende einer eingehenden Untersuchung.
Kappen und Einkürzen wollen dasselbe. Nur eines davon lässt einen Baum zurück.
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