Baumpflege erklärt
Auch: ZTV-Baumpflege, Schnitt am Astring
Es gibt ein Regelwerk dafür, wie an Bäumen gearbeitet wird: die ZTV-Baumpflege, herausgegeben von der FLL.
Du musst es nicht kennen. Das Ergebnis kannst du trotzdem prüfen. Von unten, mit bloßem Auge, ohne Werkzeug.


Ein Ast geht nicht glatt in den Stamm über. An der Ansatzstelle sitzt ein Wulst, der Astring, auch Astkragen genannt. Darin liegt das Gewebe, mit dem der Baum die Wunde später überwallt und nach innen abschottet. Bleibt der Astring stehen, bleibt dieses Gewebe erhalten.
Zwei Fehler siehst du sofort. Ein stehengelassener Stummel, im Handwerk Zapfen genannt: der stirbt ab und die Fäule läuft über ihn in den Stamm. Oder ein zu tiefer Schnitt glatt am Stamm: die Wunde ist größer als nötig und der Baum schließt sie schlechter.
Wenn ein Ast kürzer werden soll, wird er nicht irgendwo durchgesägt. Er wird bis zu einem Seitenast zurückgenommen, der die Spitze übernehmen kann. Als Faustregel gilt: dieser Seitenast sollte mindestens ein Drittel so stark sein wie der Ast, den er ersetzt. Dann läuft der Saftstrom weiter und es bleibt kein toter Stumpf stehen.
Ein Baum lebt von seinen Blättern. Nimmt man zu viele auf einmal weg, antwortet er mit Notaustrieben statt mit Wachstum. Wie viel vertretbar ist, hängt von Art, Alter und Zustand ab und lässt sich nicht als eine Zahl für alle Bäume angeben. Sicher ist: eine gesunde Krone wird nicht um ein Drittel erleichtert, weil es gerade ansteht.
Je größer der Schnitt, desto länger braucht der Baum zum Überwallen. Und desto länger steht die Stelle offen. Deshalb lieber früh und wenig als spät und viel. Ein Ast, der mit fünf Zentimetern Durchmesser weggenommen wird, ist in wenigen Jahren zugewachsen. Derselbe Ast mit dreißig Zentimetern vielleicht nie.
Steigeisen sind Schienen, die am Unterschenkel und am Fuß angeschnallt werden. Innen am Knöchel sitzt ein Dorn. Der wird bei jedem Schritt in den Stamm getreten und trägt den Kletterer. So kommt man schnell an einem Stamm hoch.
Bei einer Fällung ist das in Ordnung, der Baum kommt ohnehin weg. Am lebenden Baum hinterlässt jeder Tritt ein Loch durch die Rinde bis ins Holz. Über jedes davon kann ein Pilz eintreten. Wer mit Seil oder Hubarbeitsbühne arbeitet, braucht keine.
Es gibt keinen Schnitt, den ein Baum nicht bemerkt. Es gibt nur Schnitte, mit denen er zurechtkommt.
Die ZTV-Baumpflege wird von der Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau herausgegeben, kurz FLL. Sie ist kein Gesetz. Sie beschreibt, was fachlich anerkannt ist. Genau deshalb steht sie in den Ausschreibungen öffentlicher Auftraggeber. Wer danach arbeitet, arbeitet nach dem Maßstab, an dem im Streitfall gemessen wird.
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