Baumpflege erklärt
Auch: Kappen, Köpfen, Auf den Kopf setzen
Kappen heißt: die Krone wird auf einer Höhe abgesägt, ohne Rücksicht darauf, wo der Baum seine Äste angelegt hat. Bestellt wird das meistens, weil er jemandem zu groß geworden ist.
Der Baum verliert auf einen Schlag seine gesamte Nahrungsproduktion. Er reagiert nicht mit Wachstum sondern mit einem Notprogramm.


Die Triebe, die nach einer Kappung entstehen, sind Notaustriebe. Sie sitzen nur außen unter der Rinde und sind nicht im Holz verankert. Sie wachsen schnell und sie brechen später aus.
Gleichzeitig sind die Schnittflächen zu groß, um zugewachsen zu werden. Sie bleiben offen und werden zur Eintrittstür für Fäule. Die wandert nach unten, in Richtung Stamm.
Nach fünf bis zehn Jahren steht dort ein Baum, der größer ist als vorher, instabiler und innen morsch. Und ab diesem Punkt muss er dauerhaft nachgeschnitten werden.
Einmal günstig geschnitten heißt: für den Rest seines Lebens teuer.
Ein zu groß gewordener Baum ist ein echtes Problem und niemand muss damit leben. Es gibt nur einen anderen Weg dorthin. Eine Krone lässt sich über mehrere Jahre einkürzen, indem jeder Ast auf einen Seitenast abgeleitet wird, der stark genug ist, die Führung zu übernehmen. Das dauert länger, kostet beim ersten Mal mehr und hält.
Wenn ein Baum so groß ist, dass auch das nicht mehr reicht, ist die ehrliche Antwort manchmal die Fällung mit einer Neupflanzung an einer Stelle, an der der nächste Baum groß werden darf. Das ist unbequem und immer noch besser als ein gekappter Baum, der dreißig Jahre lang Geld kostet.
Dann ist es nicht vorbei. Die Notaustriebe lassen sich über die Jahre auslichten und auf wenige starke Triebe reduzieren, die dann in Ruhe einwachsen können. Der Baum wird nie wieder der alte. Er kann aber wieder sicher werden.
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