Baumpflege erklärt
Auch: Kronensicherungssystem, dynamische Sicherung, Gurtsicherung
Bei einer aufgehenden Gabel oder einem langen Ast mit Riss gibt es zwei Wege: wegnehmen oder halten. Halten heißt, ein Gurt wird in der Krone eingebaut.
Das ersetzt keine Untersuchung. Es ist eine Maßnahme, die aus einer Untersuchung folgt.


Der häufigste Fall ist eine Gabel aus zwei etwa gleich starken Stämmlingen, im Fach Zwiesel genannt. Ist in dieser Gabel Rinde eingewachsen, sind die beiden Seiten nicht miteinander verwachsen, sondern nur aneinandergedrückt. So eine Gabel kann unter Sturm oder Schneelast aufreißen.
Der zweite Fall ist ein einzelner langer, schwerer Ast über einem Ziel, das sich nicht wegräumen lässt. Ein Sitzplatz, ein Stellplatz, ein Weg.
Ein dynamisches System ist ein Hohlseil aus Kunstfaser. Es wird ohne Bohrung um beide Stämmlinge gelegt und hat Reserve. Der Baum kann sich weiter bewegen. Diese Bewegung braucht er: Holz legt er dort zu, wo er belastet wird. Das System greift erst, wenn die Bewegung zu weit geht.
Ein statisches System wird durch den Stamm verschraubt und lässt kaum Bewegung zu. Es kommt dort in Frage, wo die Schwachstelle so weit fortgeschritten ist, dass Bewegung nicht mehr erwünscht ist. Der Preis dafür: der Baum lernt an dieser Stelle nichts mehr dazu.
Es ist kein Dauerzustand ohne Wartung. Kunstfaserseile altern durch Sonne und Bewegung. Wie lange ein System stehen darf, gibt der Hersteller vor. Die Angaben gehen weit auseinander: manche Fabrikate sind für acht Jahre ausgelegt, andere für zwölf. Maßgeblich ist immer das Datenblatt zu dem System, das tatsächlich im Baum hängt. Angesehen wird es deutlich häufiger als ersetzt.
Und es macht keinen unsicheren Baum sicher. Es hält eine bestimmte Stelle, die vorher gefunden und beurteilt wurde. Alles andere am Baum bleibt, wie es war.
Ein Seil in der Krone ist die Zusage, wiederzukommen.
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