Baumpflege erklärt
Auch: Erziehungsschnitt, Aufbauschnitt
Am jungen Baum entscheidet sich, wie der alte aussieht. Ein Ast, der heute daumendick ist, sitzt in dreißig Jahren armdick an derselben Stelle.
Ein Schnitt am Jungbaum kostet Minuten und eine Handschere. Derselbe Fehler am Altbaum kostet einen Tag mit Seil oder Bühne.

Ein junger Baum baut in den ersten Jahren seine Grundform. Dabei entsteht manches, was später zum Problem wird. Zwei konkurrierende Spitzen statt einer. Äste, die zu dicht übereinander am Stamm sitzen. Äste, die in den künftigen Lichtraum über dem Weg wachsen.
Solange diese Äste dünn sind, ist alles davon mit wenigen Schnitten erledigt. Die Wunden sind klein und nach zwei bis drei Jahren zugewachsen.
In den ersten zehn bis fünfzehn Jahren nach der Pflanzung. Nicht jedes Jahr, aber regelmäßig. Alle zwei bis drei Jahre einmal hinsehen reicht meistens.
Der eine ist, fünfzehn Jahre nichts zu tun und dann viel. Ein Baum, den niemand angesehen hat, hat seine Form gefunden. Was jetzt korrigiert wird, hinterlässt Wunden in einer Stärke, die der Baum lange mit sich trägt.
Der andere geht andersherum: jedes Jahr am selben jungen Baum schneiden. Er braucht seine Blätter, um Stamm und Wurzeln aufzubauen. Wer ihm regelmäßig einen Teil davon nimmt, verzögert genau das.
Die günstigste Baumpflege macht man an einem Baum, den man noch mit einer Hand umfassen kann.
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