Baumpflege
Hundertmark
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Baumpflege erklärt

Grünastbruch

Auch: Sommerbruch, Sommerastbruch

Es passiert bei Windstille, während oder nach längerer Hitze und Trockenheit. Betroffen sind lange, waagerecht auslaufende Äste an großen alten Bäumen.

Die Brüche erfolgen vorwiegend in der zweiten Tageshälfte. Nachmittags, nicht mittags, wie oft erzählt wird.

Ein voll belaubter Eichenast liegt quer über einer Hofeinfahrt, im Hintergrund ein Fachwerkhaus
Kein Sturm, kein Riss: der Ast kam an einem heißen Nachmittag herunter.
Alte Eiche mit heller, frischer Bruchstelle hoch in der Krone
Derselbe Baum von unten. Die helle Stelle in der Krone ist der Abriss.
Nahaufnahme einer frischen Ausbruchstelle am Astansatz
Die Bruchfläche aus der Nähe.

Was bekannt ist

Holz hat bei 40 Grad bis zu zwanzig Prozent weniger Festigkeit als bei 20 Grad. Ulrich Weihs von der HAWK Göttingen hat 2014 zusammengetragen, was man weiß.

Im selben Text steht der ehrlichste Satz zum Thema: systematische Untersuchungen liegen nicht vor. Die einzige zitierte Bruchuntersuchung umfasst fünfzehn Äste aus vier Pappeln. Zwölf Jahre später ist das immer noch der Stand.

Lange galt die Pappel als der Baum, der das macht. Eine Umfrage des Schweizer Bundesamts für Umwelt im Dezember 2023 mit 174 Fachleuten nennt daneben Buche, Eiche, Edelkastanie und Esche. Auffällig oft betroffen sind sehr alte, mächtige Bäume.

Was die Gerichte dazu sagen

Der Bundesgerichtshof hat am 6. März 2014 entschieden, dass eine Gemeinde für den Astbruch an einem gesunden Baum nicht haftet. Geklagt hatte ein Mann, dem Äste einer Pappel aufs geparkte Auto gefallen waren. Das Gericht sah darin allgemeines Lebensrisiko. Ein gesunder Baum muss auch dann nicht weg, wenn seine Art für Astabwürfe bekannt ist.

Ulrich Weihs führt in seiner Übersicht ein älteres Urteil des Oberlandesgerichts Hamm an, das ein bis zwei Astabwürfe im Jahr als gelegentlich und damit hinnehmbar eingeordnet hat.

Was daraus nicht folgt

Viele kürzen gesunde Kronen ein, um dem zuvorzukommen. Das kann nicht wirken. Niemand sieht vorher, welcher Ast es trifft, also entfernt man nicht den einen, den man nicht kennt. Man macht große Wunden an gesunden Ästen und hat in wenigen Jahren schwach angebundene Neutriebe an denselben Stellen.

Ein Bruch ohne vorherige Anzeichen gilt als hinzunehmendes Lebensrisiko. Verlangt wird regelmäßige Beobachtung.

Was stattdessen sinnvoll ist

Die gezielte Entlastung eines einzelnen sehr langen Astes über einem festen Ziel, an einem Baum, der schon einmal Äste verloren hat. Das ist eine Einzelfallmaßnahme am bekannten Ast. Keine Krone, die vorsorglich zwei Meter kürzer gemacht wird.

Wo die fehlenden Daten herkommen sollen

Die Sachverständigenarbeitsgemeinschaft Baumstatik sammelt seit 2023 Fälle aus ganz Europa unter grünastbruch.de. Wer einen Bruch fotografiert und meldet, füllt die Lücke, an der die Wissenschaft gerade steht. Eine Anmeldung braucht es nicht.

Wenn du so einen Ast im Garten liegen hast: fotografier ihn, bevor du ihn zersägst. Bruchstelle, ganzer Baum, Datum. Das kostet zwei Minuten und ist mehr wert als jede Vermutung.

Was das für dich heißt
  • Wenn dir nach einem heißen Sommer jemand rät, die ganze Krone einzukürzen: nachfragen, welcher Ast genau gemeint ist.
  • Hat ein Baum schon einmal einen grünen Ast verloren, merk dir das und sag es beim nächsten Termin. So ein Baum wird enger getaktet kontrolliert als einer ohne diese Vorgeschichte.
  • Über Terrasse und Sitzplatz lohnt der Blick nach oben im Hochsommer mehr als im Winter.
  • Fotografier den gebrochenen Ast, bevor er weggeräumt wird. Die Fallsammlung unter grünastbruch.de nimmt solche Meldungen an. Dort fehlen sie.

Ich bin Baumpfleger und kein Jurist. Das hier ist Praxiswissen und keine Rechtsberatung. Für die rechtliche Seite gibt es Fachleute: Rainer Hilsberg schreibt die Kolumne BaumRecht in der TASPO BAUMZEITUNG. Cedric Vornholt veröffentlicht zum Baumschutzrecht und zur Verkehrssicherungspflicht bei Bäumen.

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Erklärt von Josua Hundertmark, Baumpflege Hundertmark in Michelstadt. Wir arbeiten in Michelstadt, Erbach, Bad König, Brensbach, Brombachtal, Fränkisch-Crumbach, Höchst im Odenwald, Lützelbach, Mossautal, Oberzent, Reichelsheim, Breuberg, im übrigen Odenwaldkreis und in Darmstadt. Baum ansehen lassen: 0163 1729498 oder hey@baumpflegehundertmark.de