Baumpflege erklärt
Auch: Efeubewuchs, Bewuchs am Stamm
Efeu wächst rein epiphytisch, also auf dem Baum und nicht in ihm. Die Haftwurzeln halten ihn fest, Wasser und Nährstoffe holt er aus dem Boden.
Das Problem ist nicht, was der Efeu dem Baum antut. Das Problem ist, was er dem Kontrolleur wegnimmt.


Er blüht von Ende August bis November, wenn sonst fast nichts mehr blüht. Beeren trägt er mitten im Winter. Und blühen tut er erst nach acht bis zehn Jahren. Wer ihn abschlägt, stellt die Uhr auf null.
Bei starkem Bewuchs steigt die Wahrscheinlichkeit von Astbrüchen, nicht durch das Gewicht allein sondern durch Schnee- und Eislast auf dem immergrünen Laub. Und wächst er bis in die äußere Krone, verdeckt er frisch ausgetriebene Blätter.
Beides setzt viel Efeu voraus. Ein bewachsener Stammfuß ist nicht gemeint.
Eine Baumkontrolle ist eine Sichtkontrolle. Was nicht zu sehen ist, kann nicht beurteilt werden.
Efeu verändert nicht den Baum. Er verändert, was von ihm zu sehen ist.
Was deshalb immer geht: die Blätter zur Seite schieben. Dauert Sekunden und ist bei jeder Kontrolle zumutbar. Nicht abreißen, anheben. Damit ist der häufigste Fall erledigt.
Bei deutlichem Vitalitätseinbruch, starker Totholzbildung, an Kappungsstellen und V-Zwieseln sowie bei sichtbaren Pilzfruchtkörpern. Also wenn schon ein Verdacht da ist. Dazu kommt der Standort: an Verkehrsknoten, Schulen und Spielplätzen wird zurückgedrängt, auf der Wiese hinterm Haus nicht.
Ich bin Baumpfleger und kein Jurist. Das hier ist Praxiswissen und keine Rechtsberatung. Für die rechtliche Seite gibt es Fachleute: Rainer Hilsberg schreibt die Kolumne BaumRecht in der TASPO BAUMZEITUNG. Cedric Vornholt veröffentlicht zum Baumschutzrecht und zur Verkehrssicherungspflicht bei Bäumen.
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